07.12.2011
Bühlertal: Herrenweg - “Der schmale Weg ist breit genug”
Gemeinde lässt sich scheinbar von christlichem Folgelied leiten
Bühlertal: Der schmale Weg ist breit genug
zum Leben;
wenn man nur sacht und grad und stille
geht,
so wird man nicht so leichtlich umgeweht.
Man muß sich recht hineinbegeben,
so ist er breit genug zum frommen Leben.
Die erste Strophe des christlichen Nachfolge-
liedes:
“DER SCHMALE WEG IST BREIT GENUG”
von Christian Friedrich Richter (1676-1711)
scheint auch die Gemeinde Bühlertal zu
inspirieren.
Anders kann man das schlimme Bild vom
Herrenweg im Eichwald, der diesen Namen
schon lange nicht mehr verdient, interpre-
tieren. Leider steht nirgends geschrieben,
wie die rechte Benutzung dieser Strecke zu
erfolgen hat. Also muss davon ausgegangen
werden, dass auch weniger christliche
      Zeitgenossen, diesen Bereich frequentieren.
      Zumal er einst dafür gedacht war, fern ab
      des bedrohlichen Straßenverkehrs, vom
      Ortsteil Hof sicher zu Fuß ins Obertal und
      umgekehrt, zu gelangen.
      Als in den frühen 1960er Jahren die neue
      Dr.-Josef-Schofer-Schule gebaut wurde, hat
man in diesem Zuge auch den alten Herrenweg ausgebaut. Für manchen Schüler ist er seither zum täglichen
Schulweg geworden. Extra ein stabiles Eisengeländer und einen festen Maschendrahtzaun hat man ihm
damals spendiert, damit die Schüler und Wanderer nicht gefährdet werden können.
Hier holte sich einst der berühmte Maler und Bühlertäler Bürger, Eugen Seelos, bei einem langen
Spaziergang, neue Anregungen für seine großen Werke. Er würde sich sicher im kalten Grabe umdrehen,
wenn er sehen würde, wie sein alter “Hauswanderweg” nach über 50 Jahren, verkommen ist. Überall wächst
Gras und Gestrüpp, teilweise mehr als kniehoch. Als geliebte Hundetoilette beim täglichen Gassi gehen, hat
dies schon ausgiebige Nutzung erfahren.
Von der gut einen Meter Wegbreite, ist nur noch ein schmaler Trampelpfad übrig geblieben. Das in die Jahre
gekommene Geländer ist verrostet und droht den steilen Abhang runter zu rutschen. Der alte Maschen-
drahtzaun ist teilweise zerstört und schützt keinesfalls mehr unsere lieben Kinder und Tiere. Immense
Löcher von über einem halben Meter Durchmesser, lassen erahnen, welche hinterhältigen Gefahren hier
lauern. Überdimensionale Hecken, unter-  und oberhalb aus dem steilen Fels gewachsen, versperren die
frühere, herrliche, freie Sicht auf den Eichwald, den nahen Längenberg und den ferneren Denni.
Gefangen im “dichten Urwald”, so kommt sich der geschockte Spaziergänger vor. Hier findet man keine stille
Ruhe und gute Erholung. Nein, purer Stress treibt den geplagten Wanderer schnell weiter, damit er keine
gesundheitsgefährdende Platzangst bekommt. Besonders in der schummrigen Dämmerung und in der
finsteren Nacht ist eine direkte Benutzung nicht angeraten. Die einzelnen Lampen, die eigentlich den
dunklen Weg ausleuchten sollten, sind von wuchernden Hecken zugewachsen. Hier dringt kaum ein
schwacher Lichtschein auf den teils morastigen Boden. Dafür freut sich die zahlreiche Insektenwelt im
dichten Geäst. Sie umschwirrt wie die lästigen Motten, das fahle Licht.
Die sorglose Gemeindeverwaltung, scheint sich an dem derzeitigen Dilemma nicht zu stören. Ihr genügt es,
wenn einmal pro Jahr mit der lauten Motorsense das hohe Gras etwas abgemäht wird. Weitere dringend
erforderliche Pflegemaßnahmen sind bisher nicht vorgenommen worden.
“Der schmale Weg ist breit genug”. Setzt die Gemeinde bei dem künftigen Tourismuskonzept also nur noch
auf junge, fitte Outdoor-Gäste? Zurück, zur Natur pur? Gebrechliche Alte und behäbige Gehbehinderte raus?
Ihr seit nicht willkommen in Bühlertal? Ob dieser “schmale Weg” in naher Zukunft breit genug ist, fragt sich
schon der neutrale Beobachter.
Vielleicht findet sich doch noch eine ehrenamtliche Initiative, die für die baldige Rettung diese einzigartigen
Kulturerbes eintritt und ohne lange zu zögern, mit der direkten Instandsetzung des mondänen Herrenweges
beginnt? Es wäre ihm zu gönnen, dass er seine alte Blüte wieder erlangt.         .
Text: AHA
“Der schmale Weg ist breit genug”. Der gut einen Meter
breite Herrenweg von der Eichwaldstraße in Richtung Dr.-
Josef-Schofer-Schule ist zu einem kleinen Trampelpfad
verkommen. Niemand kümmert sich.
    
       Foto: AHA